Nur eine Pandemie genügt nicht!

Wir leben mit und leiden mehr oder weniger in unserem Alltag an der Corona-Pandemie. Als Naturphänomen verändert sie unser Verhalten gegenüber anderen Menschen, der Umwelt, vor allem verändert sie unser Konsumverhalten: wir fliegen weniger bis gar nicht mehr, unternehmen keine langen Reisen, keine Kreuzfahrten usw. Wie lange sich die Menschen – die Mehrheit jedenfalls – weiter so einschränken, bleibt abzuwarten. Ich bin skeptisch, ob wir hinzulernen und künftig naturnäher und erdschonender leben werden.

Eine viel schlimmere ‚Seuche‘ ist die ausufernde Militarisierung.  Früher sprach man noch missbilligend von Aufrüstung, Rüstungsspirale, wo ein Staat den anderen mit Militärausgaben zu übertrumpfen sucht. Wie immer schon werden die unvorstellbar hohen Ausgaben für Militär1) und der damit zusammenhängende Verbrauch an Ressourcen und Manpower mit ‚Sicherheit fürs Volk‘  begründet. Papst Franziskus begründete Kriege damit, dass Reiche daran verdienen, „deshalb wird es immer wieder Kriege geben“2). Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich so: „Kleinwaffen sind die wahren Massenvernichtungswaffen unserer Zeit“ mit jährlich mindestens 500 000 Toten, so Carsten Lißmann in Zeit online vom 26. Juni 2006.
Die Mittel für ordentlich ausgestattete Gesundheitsdienste und Infrastruktur, Versorgung der Bevölkerung in Nicht-Industrieländern mit Lebensmitteln und Bildung fehlen! Mit wenigstens einem Großteil der 1,92 Billionen $, die für Waffen und Militär ausgegeben werden (2019)1), wären die Folgen der weltweiten Seuche Armut zu lösen – doch der Wille unserer Politiker dazu fehlt.

Werden die Menschen aus der aktuellen Pandemie Corona lernen? Oder viel wichtiger noch, aus den schlimmen Krankheitserscheinungen der Geisel Militär und Kriege? Meine Hoffnung ist da bescheiden, Skepsis überwiegt. Doch hilft hier Schweigen nicht, die Zusammenhänge müssen bekannter und Auswege für unser Überleben plausibler vermittelt werden. Die Umschichtung von Steuergeldern von militärischen in zivile Zwecke, wie es das Netzwerk Friedenssteuer schon seit über 35 Jahren fordert, stellt einen gangbaren Weg dar. Ein Antrag hierzu an Orts- und Kreisverbände von Bundesparteien kann von unserer Homepage herunter geladen, angepasst und diesen Gremien sowie Abgeordneten des Dt. Bundestags vorgelegt werden.

Wolfgang Steuer
Kontakt: w.steuer[at]friedenssteuer.de

1)  https://www.tagesschau.de/ausland/sipri-ruestungsausgaben-111.html „Die Militärausgaben sind weltweit deutlich gestiegen: Insgesamt gaben die Staaten 2019 laut SIPRI-Friedensforschern dafür rund 1,92 Billionen Dollar aus – der höchste Zuwachs seit zehn Jahren.“
2)   http://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2015/05/11/0358/00789.html

“Jede Kanone, die gebaut wird, jedes Kriegsschiff, das vom Stapel gelassen wird, jede abgefeuerte Rakete bedeutet letztlich einen Diebstahl an denen, die hungern und nichts zu essen bekommen, denen, die frieren und keine Kleidung haben.
Eine Welt unter Waffen verpulvert nicht nur Geld allein. Sie verpulvert auch den Schweiß ihrer Arbeiter, den Geist ihrer Wissenschaftler und die Hoffnung ihrer Kinder”
Dwight D. Eisenhower (1890 – 1969), zit. im Magazin 02/2020 des Forum Ziviler Friedensdienst

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